Eine Herbstreise zum Polarlicht

Das Polarlicht
Wenn man sich im Herbst in den Norden aufmacht, um Polarlicht zu sehen, sollten die Nächte schon so dunkel sein, dass man es sehen kann. Polarlicht gibt es zwar das ganze Jahr über, aber bei taghellen Nächten ist es nicht oder nur schlecht zu sehen. Im Winter gibt es noch mehr Dunkelheit. So geht z.B. die Sonne im Dezember und Januar auf der Höhe von Narvik nicht auf. Es ist dort Polarnacht. Diese ist aber tagsüber dort nicht komplett dunkel. Dadurch dass sich die Sonne den Horizont nähert, aber ihn nicht überschreitet, gibt es Dämmerlicht. Allerdings sind längere Außenbeobachtungen im Winter bei den tiefen Temperaturen in Nordskandinavien nicht so angenehm. Es empfiehlt sich daher eher die Herbstzeit, zumal -wenn noch kein Schnee liegt- wegloses Gelände oft einfacher zu begehen ist.

Ein weiterer Faktor ist die geographische Position. Hier gilt die Regel, je näher dem Nordpol, um so besser. Wobei es auch in Richtung Südpol Polarlicht gibt.
Einer der Gründe hierfür ist die Magnetossphäre - das Magnetfeld der Erde -, welche sich zu den Polen hin der Erdoberfläche nähert.[1]


Grafik Quelle [2]

Polarlicht entsteht, wenn elektrisch geladene Teilchen des Sonnenwinds entlang der Magnetosphäre auf die Sauerstoff- und Stickstoffatome in den oberen Schichten der Erdatmosphäre treffen.
Ursprung des Sonnenwindes sind Aktivitäten auf und in der Sonne, so z.B. Explosionen auf der Sonnenoberfläche oder sogenannte Protuberanzen, bei denen Materie von Sonnenoberfläche zeitweise ins Weltall geschleudert wird. [3] [4] [8]
Die folgende Grafik veranschaulicht den Entstehungsprozess des Polarlichts in Gänze.



In der Grafik oben ist bei der Erde der Nordpol und unten der Südpol. Die Feldlinien der Magnetossphäre sind hellblau skizziert. Der Teilchenstrom von der Sonne -der Sonnenwind- ist durch die gestrichelteten und gepunkteten Linien angedeutet. Der Sonnenwind hat unterschiedliche Stärken. Daher gibt es Zeiten mit stärkeren und schwächeren Polarlicht. Ein für die Beobachtung des Polarlichts entscheidener Faktor ist der Bedeckungsgrad des Himmels. Er sollte möglichst klar sein. Um besser beurteilen zu können, ob in der kommenden Nacht Polarlicht zu sehen, kann man den folgenden Link nutzen
https://www.spaceweatherlive.com/de/polarlicht/polarlichtoval
Auf dieser Seite sieht man die aktuelle Sichtbarkeit des Polarlichts.

Um die Wahrscheinlichkeit von Polarlicht in Abhängigkeit von den Breitengraden schon vor dem Antritt einer Reise besser beurteilen zu können, empfiehlt sich der Besuch der Seite Radiance Light Trends [9].
Auf dieser Seite wird seit 1992 Licht, welches nachts leuchtet, aufsummiert. Größere Orte leuchten nachts stark. Ihr Licht ist rot oder gelb eingefärbt. Das Polarlicht ist nicht ganz so intensiv und leuchtet oft nicht die ganze Nacht. Daher ist es grün eingefärbt. Orten mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit für Polarlicht, gab ich einen schwarzen Ortsnamen.


Kartenausschnitt der Internetseite Radiance Light Trends

Die Reise
Um den geographischen Faktor zu optimieren wählte ich Nordnorwegen als Ziel der Reise. Um ausreichende Dunkelheit zu haben, fand sie in der zweiten Hälfte des Septembers statt. Ziel in Nordnorwegen war die Halbinsel Nordkinn ( einen Tourenbeschreibung hier [5] ), auf welcher Europas nördlichster Festlandpunkt liegt. Dieser ragt weit in die Barentssee. Ausgangsort einer dreitägigen Wanderung war der Fischerort Mehamn.


Ausgangsort der Fischerort Mehamn

Von Mehamn bis zum Kap Kinnarodden auf der Halbinsel Nordkinn sind es ca.25 km. Der Weg ist ist nur schwach gekennzeichnet. Es empfiehlt sich daher die Nutzung eines GPX-Tracks. Standort des Zeltes war der See Sandfordvatnet nahe der Meeresbucht Sandford ( Karte [5] ). Dieser See lässt sich in einer Tagestour von Mehamn aus erreichen.


Zelt am Sandfjordvatnet

Vom Sandfjordvatnet kann man zum Kap Kinnarodden bequem in Tagestour hin- und zurück wandern.


Blick von Kinnarodden entlang der Küstenlinie nach Osten.

Gegend ist sehr einsam. In drei Tagen bin ich nur drei Menschen begegnet.Das war nicht immer so gewesen. Früher gab es am Sandfjord einen Handelsplatz für Fischereiprodukte. Aber das ist lange her und heute sind noch nicht einmal Überreste dieser Besiedlung sichtbar. Die Fischerei war seit altersher in Nordnorwegen eine wichtige Erwerbsquelle. Die Barentssee und das Nordmeer sind für ihren Fischreichtum bekannt. Die meisten Orte an der Küste sind vom Meer aus gegründet worden, so auch Mehamn. Dieser Ort verfügt erst seit 1989 über einen Straßenanschluß.


Abenddämmerung über Sandfjordvatnet und Sandfjord, welcher in die Barentsee mündet


Hat man am Abend die geographische Sensation des nördlichen Festlandspunktes hinter sich gelassen, so besteht bei klarem Himmel eine gute Chance das Polarlicht zu sehen. Sobald das Tagslicht schwindet, fängt ein zunächst schwaches Polarlicht sichtbar zu werden.
Die Intensität des Polarlichts nimmt mit abnehmenden Tageslicht zu.













Das Polarlicht bewegt sich am Himmel in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Mal steht es still und mal verändert es sich rapide, als ob es jemand mit einem Pinsel schnell skizziert. Die Farben sind überwiegend Grün, Weiß und seltener rötliche Töne. Sie hängen von den Teilchen der Atmosphäre und von der Höhe der Kollision mit den elektrischen Teilchen des Sonnenwindes ab. Nach seltenen der Kollisionen mit Sauerstoffatome in einer Höhe von über 300 Kilometer, sende diese rötliches Licht aus. Häufiger kommt es jedoch zwischen 100 bis 300 Kilometer. In dieser Höhe senden Sauerstoffatome weiß-grünes Licht aus. In etwa 100 Kilometer Höhe sorgen Stickstoffatome für rötliches Leuchten. So kann man in den Fotos oben sehen, dass Rot eher am unteren Rand des Polarlichts zu sehen ist. [6]










Die Anfänge der Forschung
Das Polarlicht faszinierte Menschen schon immer. Seine Erscheinung mutet auch modernen Menschen mystisch an. Natürlich wissen wir mittlerweile, dass das Polarlicht keine übernatürliche Lichterscheinung ist. Heutezutage weiß man recht genau, wie bzw. warum es entsteht. Aber das war bis vor ca. hundert Jahre noch nicht so und man untersuchte das Polarlicht. So gab es auf dem Berg in der Nähe der Stadt Alta in der Finnmark ein Obnsovatorium, welches allein für die Erforschung des Polarlichts eingerichtet worden ist.


Haldi 904m mit dem alten Observatorium auf seinem Gipfel und und dem Wohngebäude links unterhalb des Gipfels


Das alte Nordlichtobservatorium


Die Gedenktafel am Observatorium

Neben dem Bergnamen und der Gipfelhöhe liest man den Namen Kristian Birkeland. Er war ein norwegischer Physiker, welcher die Polarlichtforschung in seiner Zeit maßgeblich beeinflusste.[7] 1899 errichtete er die Beobachtungsstation auf dem Haldi. Er ging davon aus, dass Elektronen der Sonne das Gasgemisch der oberen Atmosphäre zum Leuchten anregen. Da die Existenz des Sonnenwindes zu seiner Zeit noch unbekannt war, zweifelte man diese Annahme damals an. Heute wissen wir das Birkeland richtig lag.
Betrieben wurde das Observatorium bis 1927, also noch zehn Jahre nach dem Tod von Birkeland. 1944 zündet die Deutschen bzw. die faschistische Wehrmacht auch die Gebäude auf dem Haldi an. Bei dem Rückzug aus Nordnorwegen betrieben die Nazis die Strategie der verbrannten Erde. Tausende Menschen wurden dadurch obdachlos und viele wurden Richtung Süden deportiert. 1983 wurde das Observatorium und das Wohngebäude restauriert. Letzteres wird heute als Berghütte betrieben.


Der Lyngenfjord mit den spitzen Gipfeln der Berggruppe Lyngsalpene

Auf der Rückfahrt ging es noch zu den Lyngsalpene. Die Berggruppe Lyngsalpene nahe Tromsö liegen zwar noch weit genug im Norden, aber die hohe Schichtbewölkung Anfang Oktober 2017 verhinderte die weitere Beobachtung von Polarlicht.


Quellen:
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Magnetosph%C3%A4re

[2]
http://www.lafucinadellescienze.it/wordpress/archives/6564
[3]
https://de.wikipedia.org/wiki/Sonnenwind
[4]
https://de.wikipedia.org/wiki/Polarlicht
[5]
http://berg-welten.de/Nordkinn/Nordkinn.html
[6]
https://www.astronews.com/frag/antworten/1/frage1407.html
[7]
https://de.wikipedia.org/wiki/Kristian_Birkeland

[8]
https://de.wikipedia.org/wiki/Protuberanz

[9]
https://lighttrends.lightpollutionmap.info

Stand: April 2020

zurück zur Startseite